Funktionskleidung richtig pflegen, damit sie lange schützt

Funktionskleidung aus dem Workwear-Bereich schützt nur so lange zuverlässig, wie ihre technischen Eigenschaften intakt sind. Falsche Wäsche, zu hohe Temperaturen oder aggressive Waschmittel zerstören Membranen, DWR-Ausrüstungen und Gewebeverstärkungen innerhalb weniger Zyklen. Wer die Pflegehinweise des Herstellers beachtet und ein paar grundlegende Regeln kennt, verlängert die Schutzwirkung seiner Arbeitskleidung erheblich.


Warum Pflege bei Funktionskleidung über Schutz oder Versagen entscheidet

Funktionskleidung — also Softshelljacken, Warnschutzjacken nach EN ISO 20471, Wetterschutzkleidung oder atmungsaktive Arbeitshosen — ist kein gewöhnliches Textil. Sie besteht aus mehreren funktionalen Schichten oder Ausrüstungen, die zusammen wirken:

  • DWR-Ausrüstung (Durable Water Repellency): eine wasserabweisende Oberflächenbehandlung, die Nässe abperlen lässt. Verkleben die Fasern durch Schmutz oder falsche Waschmittel, versagt diese Schicht.
  • Membranen (z. B. aus ePTFE oder PU): winddichte, wasserdichte und gleichzeitig atmungsaktive Zwischenschichten — mechanisch empfindlich gegenüber Weichspüler und zu starkem Schleudern.
  • Verstärkte Materialpartien: FORSBERG setzt an besonders beanspruchten Stellen wie dem Knie die DuraMotion-Technologie ein — eine eingetragene FORSBERG-Marke für verstärkte Gewebepartien, die durch robustere Materialkombinationen punktuelle Abnutzung reduziert. Auch diese Partien reagieren auf falsche Pflege mit beschleunigtem Materialabbau.
  • Ripstop-Gewebe: ein reißfestes Webmuster mit eingearbeiteten Verstärkungsfäden im Gitterraster, das bei überhöhter Waschtemperatur schrumpfen oder seine Struktur verlieren kann.
  • Duck Canvas: ein dichtes, strapazierfähiges Baumwollgewebe (auch als Enten-Canvas bekannt), das bei zu heißer Wäsche einläuft und seine Formstabilität verliert.

Kurz gesagt: Wer Funktionskleidung wie Alltagswäsche behandelt, bezahlt den Unterschied mit Schutzversagen.


Waschanleitung für Funktionskleidung: Was gilt wirklich?

Das Pflegeetikett ist keine Empfehlung — es ist die Grundregel

Jedes zertifizierte PSA-Kleidungsstück trägt ein Pflegeetikett nach ISO 3758 (GINETEX-Symbole). Diese Angaben basieren auf der Baumusterprüfung — also genau dem Produkt, das du trägst. Höhere Temperaturen oder abweichende Programme können die Zertifizierung technisch aushebeln.

Temperatur: Weniger ist fast immer mehr

Die meisten Softshelljacken und atmungsaktiven Wetterschutzmaterialien vertragen maximal 30–40 °C im Schonwaschgang. Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 darf oft bei 60 °C gewaschen werden — die Norm schreibt eine bestimmte Anzahl an Waschzyklen ohne Leuchtwertverlust vor, und der Hersteller gibt die maximale Temperatur entsprechend an. Diese Grenze niemals überschreiten, da retroreflektierende Streifen bei zu hoher Hitze ihre Reflexionswerte verlieren.

Waschmittel: Nie mit Weichspüler

Weichspüler legt sich als Film auf die Fasern und verstopft buchstäblich die Poren von Membranen und DWR-Ausrüstungen. Die Atmungsaktivität sinkt, Nässe perlt nicht mehr ab.

Geeignet sind:

  • Spezielle Funktionswaschmittel (z. B. Nikwax Tech Wash) ohne optische Aufheller
  • Milde, tensidreduzierte Vollwaschmittel für empfindliche Textilien
  • Keine Weichspüler, keine Bleiche, keine Fleckentferner mit Lösungsmitteln

Schleudern: Kurz und schonend

Maximale Schleuderdrehzahl für Membrankleidung: 800–1.000 U/min. Höhere Drehzahlen können Membranen mechanisch beschädigen und Nähte belasten.

Trocknen: Tumbler nur mit ausdrücklicher Freigabe

Wetterschutzkleidung mit DWR-Ausrüstung profitiert nach dem Waschen von einem kurzen Tumblerdurchgang bei niedriger Hitze — dieser reaktiviert die DWR-Ausrüstung thermisch. Ohne explizite Freigabe auf dem Pflegeetikett gilt: Kleidung bei Raumtemperatur hängend trocknen, nicht in direkter Sonneneinstrahlung.


DWR-Ausrüstung reaktivieren: Was tun, wenn Nässe nicht mehr abperlt?

Wenn eine Softshelljacke oder Wetterschutzjacke beginnt, Nässe aufzusaugen statt abzuperlen, ist die DWR-Ausrüstung erschöpft oder durch Schmutz blockiert. Zwei Schritte helfen:

  1. Waschen — oft reaktiviert allein ein Waschdurchgang mit Funktionswaschmittel die DWR-Schicht, wenn sie nur durch Schmutz blockiert war.
  2. Thermische Reaktivierung — anschließend 10–15 Minuten bei niedriger Stufe in den Tumbler oder mit dem Bügeleisen (Schutztuch dazwischen, keine Dampffunktion) auf niedriger Stufe bügeln. Die Wärme aktiviert die DWR-Polymere neu.

Wenn beides nicht mehr hilft, lässt sich die DWR-Ausrüstung mit einem Imprägnierspray oder -wash (z. B. Nikwax TX.Direct) auffrischen. Das ist kein Dauerzustand — nach mehreren Zyklen sollte die Imprägnierung erneuert werden.


Lagerung und Alltagsumgang: Schutzfunktion auch zwischen den Einsätzen erhalten

Funktionskleidung leidet nicht nur beim Waschen, sondern auch durch falschen Alltag:

  • Nicht zusammengeknüllt lagern — Membranen und DWR-Schichten brauchen Luftzirkulation. Kleidung hängend aufbewahren.
  • Kein Kontakt mit Lösungsmitteln, Ölen oder Kraftstoff — diese greifen sowohl Membranmaterialien als auch DWR-Ausrüstungen chemisch an. Lässt sich Kontakt nicht vermeiden, sofort auswaschen.
  • Reparaturen nicht aufschieben — ein kleiner Riss im Ripstop-Gewebe wird durch Verzögerung größer. FORSBERG empfiehlt spezifische Reparaturpatches für DuraMotion-Verstärkungsbereiche; einfache Klebeflicken aus dem Outdoor-Handel halten an Standardgeweben gut.
  • Reflektionsstreifen prüfen — bei Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 regelmäßig die retroreflektierenden Streifen auf Ablösung, Verkratzen oder Verblassen prüfen. Sind sie beschädigt, erfüllt das Kleidungsstück möglicherweise die Norm nicht mehr.

Pflegeintervalle: Wie oft waschen?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht — sie hängt vom Einsatzbereich ab. Als Orientierung:

Einsatz Empfohlenes Waschintervall
Leichte Büro-/Hallentätigkeit Alle 2–4 Wochen
Außeneinsatz, moderate Verschmutzung Nach jeder intensiven Schicht
Forstarbeit, Baustelleneinsatz Täglich oder nach Bedarf
Warnschutzkleidung (EN ISO 20471) Laut Herstellerangabe, max. Zyklen beachten

Warnschutzkleidung hat eine vom Hersteller angegebene maximale Anzahl an Waschzyklen, nach der die Leuchtdichte und Retroreflexion nicht mehr der Norm entsprechen. Diese Grenze dokumentieren.


Wann ist Funktionskleidung zu ersetzen?

Pflege verlängert die Lebensdauer — ersetzt sie aber nicht dauerhaft. Kleidung sollte ersetzt werden, wenn:

  • die DWR-Ausrüstung sich nicht mehr reaktivieren lässt
  • Membranschichten sichtbar delaminieren (sich von der Außenschicht lösen)
  • Nähte dauerhaft undicht werden
  • retroreflektierende Streifen unter den Normwert gefallen sind (EN ISO 20471)
  • Schnittschutz- oder Stichschutzfunktion durch Materialverschleiß nicht mehr gewährleistet ist

Bei PSA der Kategorie II und III (z. B. Forstschutzkleidung nach EN ISO 11393 — diese Norm regelt den Schutz gegen Kettensägen und löst EN 381 ab) ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Schutzwirkung zu prüfen und bei Versagen Ersatz bereitzustellen.


FAQ

Kann ich Funktionsjacken in der normalen Waschmaschine waschen?

Funktionsjacken lassen sich in der Waschmaschine waschen — aber nur mit den richtigen Einstellungen. Schonwaschgang, maximal 30–40 °C (sofern das Pflegeetikett nicht höhere Temperaturen erlaubt), kein Weichspüler und niedrige Schleuderdrehzahl (maximal 800–1.000 U/min). Kein Vollwaschmittel mit optischen Aufhellern, da diese die DWR-Ausrüstung angreifen. Das Pflegeetikett nach ISO 3758 gibt die verbindlichen Grenzwerte vor — diese gelten für genau dieses geprüfte Produkt.

Warum saugt meine Softshelljacke Wasser auf, obwohl sie neu aussieht?

Die DWR-Ausrüstung (Durable Water Repellency) verbraucht sich durch Wäschen, Reibung und Schmutzablagerungen — unabhängig vom optischen Zustand des Textils. Wenn Nässe nicht mehr abperlt, sondern einzieht, sind die wasserabweisenden Polymere erschöpft oder blockiert. Waschen mit Funktionswaschmittel und anschließende thermische Reaktivierung (Tumbler bei niedriger Stufe oder Bügeleisen mit Schutztuch) frischen die DWR-Schicht in vielen Fällen auf. Hilft das nicht mehr, empfiehlt sich eine Neu-Imprägnierung mit Imprägnierspray oder -wash.

Wie viele Waschgänge hält Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471?

Die EN ISO 20471 schreibt vor, dass Warnschutzkleidung nach einer definierten Anzahl an Waschzyklen noch bestimmte Mindest-Leuchtdichte- und Retroreflexionswerte erreichen muss. Wie viele Waschgänge das konkret sind, hängt vom Produkt ab — der Hersteller gibt diese Grenze im Pflegeblatt oder auf dem Etikett an. Nach Überschreiten dieser Zyklenzahl erfüllt das Kleidungsstück die Norm möglicherweise nicht mehr und sollte ersetzt werden. Wer Wäschegänge dokumentiert, erkennt diesen Punkt rechtzeitig.

Darf ich Funktionskleidung trocknertrocknen?

Nur wenn das Pflegeetikett den Tumbler ausdrücklich freigibt. Bei Kleidung mit DWR-Ausrüstung kann ein kurzer Tumblerdurchgang bei niedriger Stufe sogar sinnvoll sein, da Wärme die wasserabweisenden Polymere reaktiviert. Bei Membrankleidung ohne Tumbler-Symbol besteht das Risiko, die Membranschicht thermisch zu beschädigen oder Nähte zu belasten. Im Zweifel: hängend bei Raumtemperatur trocknen — das dauert länger, ist aber schonender.

Was passiert, wenn ich Weichspüler in der Wäsche von Funktionskleidung verwende?

Weichspüler lagert sich als Gleitfilm auf den Textilfasern ab. Dieser Film verstopft die Microporen von Membranen und blockiert die DWR-Ausrüstung — das Ergebnis ist Nässe, die einzieht statt abzuperlen, und reduzierte Atmungsaktivität. Einmalige Anwendung lässt sich oft durch mehrere Waschgänge mit Funktionswaschmittel wieder teilweise korrigieren, dauerhafter Einsatz schädigt die Funktionsschichten jedoch irreversibel. Weichspüler gehört grundsätzlich nicht in die Wäsche von PSA oder technischer Funktionskleidung.


Glossar

DWR-Ausrüstung (Durable Water Repellency)
Eine chemische Oberflächenbehandlung, die Textilfasern wasserabweisend macht, ohne die Atmungsaktivität zu blockieren. Wasser perlt in Tropfenform ab. DWR verbraucht sich durch Wäsche und Reibung und lässt sich durch Wärme oder Imprägnierprodukte reaktivieren — was es von einer wasserdichten Membran unterscheidet.

Retroreflexion
Die Eigenschaft von Streifen an Warnschutzkleidung (EN ISO 20471), Licht direkt zur Lichtquelle zurückzuwerfen — also zum Beispiel Scheinwerferlicht direkt zurück zum Fahrer. Im Gegensatz zu einfacher Reflexion funktioniert Retroreflexion unabhängig vom Einfallswinkel. Der Reflexionswert sinkt durch Verschleiß, Kratzer und zu viele Waschzyklen.

Ripstop
Ein Gewebe mit eingearbeiteten, verstärkten Fäden in einem regelmäßigen Gitterraster. Diese Fäden stoppen Einrisse daran, sich auszubreiten — daher der Name. Ripstop ist leicht, dennoch reißfest und kommt in Arbeitshosen und Outdoorjacken zum Einsatz. Falsche Waschtemperatur kann das Gitterraster schrumpfen lassen und die Reißfestigkeit beeinträchtigen.


TL;DR

  • Pflegeetikett (ISO 3758) immer beachten — es ist die verbindliche Grenze, keine Empfehlung.
  • Kein Weichspüler, keine optischen Aufheller: beides zerstört DWR-Ausrüstungen und Membranen.
  • DWR-Schichten lassen sich durch Wärme reaktivieren — Tumbler (wenn freigegeben) oder Bügeleisen auf niedriger Stufe.
  • Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 hat eine begrenzte Anzahl an Waschzyklen — dokumentieren und rechtzeitig ersetzen.
  • Sichtbare Schäden an Membranen, Nähten oder Reflexionsstreifen bedeuten: Kleidung tauschen, nicht weiter tragen.

Nächster Schritt

Wer Funktionskleidung nutzt, die täglich beansprucht wird, sollte das Material kennen — und das richtige Nachfolgeprodukt rechtzeitig wählen. Die Softshelljacken und Wetterschutzjacken im FORSBERG-Sortiment sind mit Pflegeangaben ausgezeichnet, die direkt mit den hier beschriebenen Grundregeln arbeiten. Wer Arbeits- und Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 sucht, findet das aktuelle Angebot in der Warnschutz-Kategorie auf forsberg.works.


Verfasst von Jeremy Nánási, Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (Auszubildender) — Aktualisiert am: 10. Juli 2026

Quellen:

  • EN ISO 20471:2013+A1:2016 — Hochsichtbare Warnschutzkleidung (ISO.org)
  • EN ISO 11393-1 ff. — Schutzkleidung für Benutzer von handgeführten Kettensägen (ISO.org)
  • GINETEX — Internationales Pflegesymbolsystem, ISO 3758 (ginetex.net)